Pokémon X/Y

Als sich zur Jahrtausendwende die Pokémons auch in Europa breit machten, trafen sie den Nerv der Zeit und eine ganze Generation, meine Generation. Die kleinen Taschenmonster waren überall: Auf dem Schulhof tauschten wir in den Pausen glitzernde Sammelkarten, am Nachmittag sahen wir die Trickserie im Fernsehen und in der verbleibenden Zeit glühten die Batterien des Game Boy.

Komm und schnapp sie dir

Ich lebte diesen Hype, wie viele meiner Freunde und im Vordergrund standen bei uns die Videospiele, sprich die Rote und Blaue Edition. Nach Absprache, wer welche Edition kauft, um alle Pokémon per Linkkabel zu tauschen, ging das Abenteuer in Alabastia und einem der Starterpokémon (Glumanda, Schiggy oder Bisasam) los. Wie durch die TV-Serie bekannt, schnappten wir uns die Pokémon, bezwangen Arenaleiter und hatten nur ein Ziel vor Augen: der größte Pokémon-Trainer zu werden, den die Welt jemals gesehen hat. Diese mediale Berauschung von TV-Serie, Videospiel und Sammelkarten gipfelte mit dem ersten Kinofilm. Der Zenit schien erreicht und nach der Ankündigung weiterer Pokémon, Spiele und Karten, verloren wir, so intensiv wir diesen Zeitgeist lebten, auch wieder die Lust an ihm – böse Zungen würden behaupten, wir wären einen Tick zu alt gewesen.

Das neue Zeitalter der Pokémon

14 Jahre und einige hundert Taschenmonster später, steht mit Pokémon X/Y die bereits sechste Generation für Nintendo Handhelds bereit. Allein aus nostalgischen Gründen, war die erneute Reise eine Pflichtaufgabe, die ich keinesfalls bereue. Nach über 40 Stunden Spielspaß, allen acht Orden, Siege über die Top Vier und dem Champion Diantha, habe ich zwar die Story abgeschlossen, doch das Sammeln der charmantesten Pokémon geht noch eine Weile weiter. Im Kern bleibt sich die Reihe treu: Als Jungspund wählt ihr euer erstes Pokémon, zieht in die weite Welt hinaus, füllt euren Pokédex, kämpft gegen Trainer und legt euren Gegnern das Handwerk. Alles dreht sich um euch und euer Pokémon-Team, die Kämpfe und die entscheidende Wahl des richtigen Typs und einer deftigen Attacke.

Natürlich ist nicht alles beim Alten geblieben, so erstrahlt die Kalos-Region (Frankreich nachempfunden) dank dem Nintendo 3DS in schöner und vor allem knuffiger Optik, die begleitende Musik schließt nahtlos an die bekannten Klänge unserer Kindheit an und die Menüführung ist durch den zweiten Bildschirm entsprechend komfortabel. Einziger grober Kritikpunkt bleibt der 3D-Effekt, dieser ist nur in wenigen Teilen der Region (Höhlen und vereinzelten Gebäuden) sowie in Kämpfen (Gruppenorgien ausgenommen) aktiviert und unterliegt erheblichen Framerateeinbrüchen. Abseits der Technik schenken uns die Entwickler eine Art Tamagotchi-Funktion (PokéMonAmi), um das Vertrauen unserer Gefährten zu gewinnen, ebenso können wir über das Internet gegen andere Spieler antreten oder mit ihnen Pokémon tauschen und dürfen erstmalig unseren Protagonisten individuell anpassen. Die interessanteste Neuerung bleibt jedoch die Mega-Entwicklung, die ausgewählten Pokémon (insgesamt 26 Stück, viele aus der 1. Generation) innerhalb eines Kampfes ein neues Aussehen sowie stärkere Fähigkeiten verleiht.

Fazit

Es hat sich wieder einmal behauptet: Spiele kennen keine Altersgrenzen. Pokémon X/Y konnte mich nach kurzer Zeit in seinen Bann reißen. Die anfängliche Skepsis in den ersten 30 Minuten erlag den abwechslungsreichen Landschaften, der riesigen (und mehrheitlich suspekten) Pokémonauswahl und dem allgemeinen Entdeckerdrang des Spiels. Überall gibt es etwas zu sehen, hinter hohem Gras warten hilfreiche Tränke und Pokébälle, außerdem verschenken NPCs nützliche Attacken und wollen Pokémon tauschen. Die maue Story rund um das Team Flare startet schläfrig, wird aber bis zum Ende gut inszeniert, dennoch lebt ein Pokémon-Spiel von den angesprochen Kämpfen und diese sind über alle Zweifel erhaben. Angefangen von den verschiedenen Settings (u.a. Dschungel, Wüste & Schnee) über die liebevollen Gesten und Mimik der kleinen Racker bis hin zu den spritzigen Kampfanimationen, werden alte und neue Generationen an Pokémon-Spielern bestens unterhalten und dürfen bedenkenlos zugreifen.

Pro/Contra

+ große, abwechslungsreiche und lebendige Spielwelt

+ riesige Auswahl an Pokémon

+/- relativ einfacher Schwierigkeitsgrad

– 3D-Effekt ruckelnd und nur sparsam eingesetzt

 

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Author: vAro

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