Samy Deluxe – Perlen vor die Säue

Samy Deluxe meldet sich mit einer neuen und durch und durch männlichen Kampagne zurück. Nachdem das sozialkritische Herr Sorge-Projekt samt Album und Juice Exklusive EP nur durchwachsenden Anklang fand, will sich der Hamburger nun wieder auf straighten Rap fokussieren. Die testosterongeladene Kampagne besteht aus drei Werken: Das Mixtape “Perlen vor die Säue” läutete die Kampagne am 1. November ein, das Album “Männlich” krönt sie im Frühjahr 2014 und ein weiteres, noch unbenanntes Mixtape rundet das neue Konzept – vermutlich zur zweiten Jahreshälfte – ab.

Im Vorfeld zur Veröffentlichung des Mixtapes, beglückte Samy die Hörer mit dem Titeltrack. Perlen vor die Säue entpuppt sich als Flowlawine ohne Punkt und Komma. Was sich zunächst recht eigenartig anhörte und mich nicht überzeugen konnte, wurde mit jedem Mal besser, selbst nach über zwei Wochen steigert sich dieser Track noch und beschallt meine Ohren mit köstlichen Reimen und einer tollen Hook von Matteo Capreoli.

 

Vor dem Release standen im Internet schon einige Snippets bereit, doch ich konnte – mit enormer Selbstbeherrschung – widerstehen und auf den Postboten warten. Am 1. November wurde ich erlöst, die Anlage mit dem neuen Mixtape gefüttert und meine Ohren mit neuen Stücken von Samy Deluxe beschallt. “Perlen vor die Säue” greift das ursprüngliche Ideal eines Mixtapes auf: Keine rohen Tracks, viele Scratches, Ansagen eines Hosts und eine bewusst reduzierte Klangqualität. Damit werden sicherlich viele Hörer direkt abgeschreckt, für mich ging diese Idee teilweise sehr positiv auf. Das Mixtape lässt sich mit einem Livekonzert oder einer Party vergleichen. Scratches, Tröten und Einspieler von DJ Mixwell samt Anmoderation von Afrob mit all seinen Facetten, machen “Perlen vor die Säue” zu einer Mischung aus alter Hiphop-Euphorie (70%) und nervenzerrender Durchhalteprüfung (30%).

Das rappende Feuerwerk beginnt bereits beim Gucci Intro und zieht sich durch einige Tracks, in denen Samy auf technisch herausragendem Niveau flowt. Vor allem aber sind die Features mit Megaloh (Pandemonium) und Ali As (Hypochondria) sowie die erneute Reunion mit Afrob (Testosteron) als ASD, die glänzenden Perlen, die Herr Sorge vor die Säue wirft. Durschnittlich gute Kost erwartet euch auf klassischen Samy Tracks wie D.E.L.U.X.E, Retro geht so.., Hab gehört 2013, Licht aus und Erste Liebe. Neben diesem Balsam kommen allerdings auch Fragen bezüglich der Beats auf, denn diese sind in mehreren Fällen (Exodus, Uhrgedreht, B.I.L.D.S.P.R.A.C.H.E. uvm.) extrem gewöhnungsbedürftig und schreien nur so nach versalzener Suppe.

Fazit

“Perlen vor die Säue” schwankt in seiner Gesamtheit zwischen grandios umgesetzt und energisch nervend. Das liegt in den meisten Fällen an der Beatwahl, in einigen an Samy Deluxe selbst: Wo er zuvor technisch raffiniert alle anderen deutschsprachigen Rapper mit präzisen Lines hintanstellt, tischt er den Hörern im nächsten Augenblick einen halbgaren Freestyle auf, der zur kompletten Ernüchterung führt. Nichtsdestotrotz weiß das Mixtape – mit gezielten Skips – sehr gut zu unterhalten und liefert mindestens acht Tracks, die auch noch in geraumer Zeit für viel Freude sorgen sollten. Mit Blick auf den Preis (ab 7,99€ über iTunes) machen Fans von Samy Deluxe wenig verkehrt, das Snippet dient als weitere Absicherung vor dem Kauf. Die Richtung des Mixtapes stimmt, sollte er sich am Feedback orientieren, die Technik beibehalten und inhaltlich ab und zu an der Oberfläche kratzen, könnte das nächste Jahr durchaus mit dem Prädikat deluxe ausgezeichnet werden!

Höhepunkte

Gucci Intro

D.E.L.U.X.E.

Perlen vor die Säue

Pandemonium feat. Megaloh

Retro geht so..

Testosteron feat. ASD

Hypochondria feat. Ali As

Erste Liebe

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Author: vAro

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