Battlefield 4 vs. Call of Duty: Ghosts

Battlefield und Call of Duty. Fallen diese beiden Titel in einem Satz, entfacht ein ähnlicher Glaubenskrieg, wie er nur bei Apple und Samsung in der Hardwarewelt anzutreffen ist. Dieses Jahr schicken uns DICE und Infinity Ward wiederholt zeitgleich ins digitale Gefecht, beide bieten, neben dem kaufentscheidenden Multiplayer, auch eine Kampagne für Einzelspieler. Was diese in Battlefield 4 und Call of Duty: Ghosts zu bieten hat, verrate ich euch in den folgenden Zeilen.

Prägende Geschichten

Call of Duty zeichnete sich in den vergangenen Jahren mit behutsamen Neuerungen im Gameplay, der Präsentation und der Grafikengine aus. Der Begriff Popcorn-Shooter haftete sich wunderbar an die Reihe an und bot jedes Jahr für wenige Stunden gute Unterhaltung mit gleichen Schwachstellen. Besonders die Optik steht seit Jahren zur Debatte: Zum einen müssen die Entwickler dieses Jahr die Leistungsreserven von PlayStation 4 und Xbox One ausnutzen und somit einen weiteren Kaufgrund liefern; zum anderen hinkt die Reihe nicht erst seit der Veröffentlichung von Battlefield 3 meilenweit hinterher. Die Konkurrenz tut sich jedoch noch schwer mit besagtem Popcorn, denn obwohl Battlefield 3 eine solide Kampagne bot, konnte es DICE nicht mit der Präsentation eines Call of Duty aufnehmen. Damit sollte nun Schluss sein, so glaubte ich jedenfalls, nachdem ich den Trailer zu Kampagne sah. Jubelnd schwamm ich auf der Hypewelle mit, doch verschluckte mich bereits nach wenigen Minuten.

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Story – oder so ähnlich

Ich habe von beiden nicht viel erwartet, wirklich nicht. Auch auf einen roten Pfaden bin ich bereit zu verzichten, wenn mir dafür ein kinoreifes Feindbild erschaffen wird, welches die Welt bedroht, meinen Kollegen an den Kragen will und ich ihn in einem großen Finale besiege – folglich normale Shooterkost. Von Battlefield 4 wurde ich hier zutiefst enttäuscht. Vermutlich wurden hier weniger als 30 Minuten Brainstorming in die Geschichte und Charaktere gesteckt. Außer dem Feindbild der Chinesen, einem minimalen Twist, zwei, drei lässigen Sprüchen meines Teams (die Verwirrung der Hierarchie lasse ich hier außen vor) und einem mehr als unbefriedigtem Ende, bietet die Kampagne nichts. Call of Duty: Ghosts hingegen, stampft zwar weiterhin auf der erzählerischen Stelle, doch werde ich weiterhin gut unterhalten. Die Erde bricht unter meinen Füßen weg, ein Erzrivale macht mir das Leben schwer und einigermaßen ist sogar eine Handlung zu erkennen. Entscheidungen treffen ich zwar nicht, dafür freunde ich mich allerdings mit meinen Teamgefährten an, verstehe ihre Sorgen und unseren Zusammenhalt.

Raumstation, Flugzeugträger oder Unterwasserspektakel

Call of Duty: Ghosts beherrscht die Inszenierung bis in das kleinste Detail. Die aufwühlende Erde zu Beginn, die Weltallschlachten und das Unterwasserspektakel liefern frischen Wind in der sonst so alltäglichen Shooterlandschaft. Die Kollegen von DICE waren hier deutlich unterlegen, denn außer spektakulären Schlachtfeldern, die der Engine geschuldet sind, präsentierte sich Battlefield 4 als sehr dürftiges Gesamtpaket, welches aufgrund der schlechten Speicherpunkte (auf freies Speichern verzichten beide) einige Wutausbrüche auslöste. Trotz allem erinnere ich mich gern an die famose Stadt in China oder den untergehenden Flugzeugträger.

Hirnlose Begleiter und Einzeller-Soldaten

Das größte Desaster stand mir noch bevor: Die K.I., falls man überhaupt noch von Intelligenz sprechen darf, ist grauenhaft. Meine Teamkameraden sind zu langsam, bleiben an Wänden hängen und blocken mich im Gefecht. Glücklicherweise laufen die Gegner mit selbiger Beschränktheit durch die Spielwelt, obwohl ich einen erhöhten Schwierigkeitsgrad (BF4 normal bzw. CoD:G hardended) wählte. In Deckung gehen, dabei aber permanent seinen Kopf zeigen, erwies sich innerhalb von Sekunden als schlechte Idee. Zumal Battlefield 4 mit fiesen Spawns zu kämpfen hat: Wie aus dem Nichts erschienen feindliche Panzer und Soldaten, falls ich nicht meinem langsamen Squad hinterher tanzen wollte. Call of Duty: Ghosts weist Spieler ebenfalls mit heftigen Attacken in die Schranken, sobald der Spieler den Schlauchpfad verlässt. An einigen Abschnitten werdet ihr sogar an unsichtbaren Wänden zur Umkehr gezwungen.

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Ein Lichtblick: Die grandiose Technik

Battlefield 4 weiß die Hardware auf dem PC auszulasten und schenkt Spielern, sofern ihr die nötige Leistung euer Eigen nennt, eine brillante Optik. Schöner konnte in einem Shooter bisher nicht gespielt werden, die wundervoll in Szene gesetzten Lichteffekte auf der einen, die tollen Texturen der Spielwelt und die Charakteranimationen auf der anderen Seite. Was euch Call of Duty: Ghosts allerdings auftischen will, vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass eine neue Konsolengeneration erscheint, ist ein schlechter Witz. Zwar bekommt ihr den wahrscheinlich schönsten Teil der Reihe zu Gesicht, doch hinkt es dem technischen Stand weiterhin Jahre hinterher. Partikel, Explosionen und Beleuchtung sind mittelmäßig bis schwach, außerdem verschwimmt in der Ferne der Detailgrad extrem.

Fazit

Was wurden wir doch getäuscht: Call of Duty: Ghosts wollte grafisch ein Feuerwerk werden, Battlefield 4 in der Kampagne mit einer tollen Geschichte glänzen. Beide enttäuschten in diesen Disziplinen auf gesamter Linie. Was machen nun überzeugte Einzelspieler? Battlefield 4 punktet mit dem realistischeren Handling und hervorragender Technik; Call of Duty: Ghosts mit Story, Präsentation und Abwechslung. Beide Kampagnen sind weit entfernt von den Prädikaten hervorragend und großartig, aber wenn sich Einzelspieler entscheiden wollen, dann greift doch bitte zu Call of Duty: Ghosts. Es bietet das rundere Gesamtpaket und konnte mich durch die Weltall- und Tauchmissionen für sich gewinnen. Die Kritik bleibt jedes Jahr jedoch die gleiche: (weitestgehend) technischer Stillstand, erzählerische Lücken, zu viel Patriotismus und nur einige Stunden Spielspaß (4-5). Battlefield 4 ist zwar ein kleines Stück länger, doch liefert im Gegensatz zu Infinity Wards neuem Titel einige Frustpassagen, noch blassere Charaktere und die schlechtere Story. Nach dem guten Start der Battlefield 3-Kampagne, hätte ich ein solches Desaster nicht für möglich gehalten – schade.

Pro/Contra

Call of Duty: Ghosts

+ spielerische Abwechslung

+ gelungene Unterhaltung

– dämliche K.I.

– angestaubte Technik

– steriles Handling

 

Battlefield 4

+ hervorragende Schauplätze

+ grandiose Lichteffekte

– dämliche K.I.

– schwache Story und Charaktere

– kaum Inszenierung

 

Screenshots Call of Duty: Ghosts

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Screenshots Battlefield 4

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Author: vAro

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