Empfehlung: Bioshock Infinite

Ihr wollt endlich wieder einen Ego-Shooter ohne klischeehaftes Kriegsszenario? Bioshock Infinite lädt euch in die prachtvolle Wolkenstadt Columbia ein. Alles ist dort auf Hochglanz poliert und das Übel nicht weit entfernt.

Bitte lasst Gnade walten, wenn ihr den nächsten Satz lest. Es war meine erste Erfahrung mit einem Bioshock-Titel. Die Serie ist keineswegs einfach an mir vorbei gezogen. Nein. Ich las die Tests, verfolgte die Entwicklung und wollte schon immer mal einen Abstecher in die Unterwasserstadt Rapture machen. Irgendwie gelang es mir dennoch nicht… doch damit ist jetzt Schluss! Ich hab Bioshock Infinite gespielt und bin wahrlich begeistert. Wieso? Das lest ihr in den folgenden Zeilen.

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Die junge Frau mit den gewaltigen Kräften: Elizabeth.

Story

Der Spieler schlüpft in die Rolle des Privatdetektivs Booker DeWitt. Dieser soll ein Mädchen namens Elizabeth aus Columbia befreien und nach New York bringen, um seine Schulden zu begleichen. Elizabeth wird in einem Turm zu Versuchszwecken festgehalten, da sie über mächtige Kräfte verfügt. Sie kann Risse – Parallelwelten – erzeugen, die die Geschichte verändern und Kämpfe erleichtern. Schon früh im Spiel werden wir auf Comstock, den Propheten, Gründer und Herrscher Columbias, aufmerksam. Elizabeth zu befreien, ohne seine Wege zu kreuzen und den Zorn auf uns zu ziehen, scheint unausweichlich.

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Schnell unterwegs in luftiger Höhe – die Skyline-Fahrten.

Die ersten 30 Minuten

Ich werde von einem Pärchen per Boot zu einem Leuchtturm gebracht, dieser hebt anschließend ab und bringt mich direkt in die Wolkenstadt namens Columbia. Strahlender Sonnenschein umhüllt die schwebenden Gebäude. Nach einer Zwangstaufe bekomme ich Zugang zu dieser wunderschönen Stadt. Alles blitzt und funkelt, auf den Straßen spielen Kinder, Vögel fliegen vorbei. Scheint alles in Ordnung zu sein. Scheint ist hier das treffende Wort. Die starke Religiosität und das Anbeten des Propheten Comstock sind erste Staubkörner auf dem gepflegten Pflaster Columbias.

Der Weg führt mich zu einem riesigen Jahrmarkt. Dieser lädt zu kleinen Spielen ein und lässt die Haupthandlung kurz ruhen. Auf einem großen Plakat wird vor dem falschen Hirten gewarnt. Eine Klaue mit dem Brandmal “AD” ist zu sehen. Booker streckt seine Hand aus, das gleiche Zeichen prankert auf ihr. Aufmerksamer gehe ich nun durch die Stadt. Ein kleiner Junge taucht aus dem Nichts auf und übergibt mir ein Telegramm. Ich solle mich vor der Zahl 77 hüten. Okay, wird gemacht.

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Die Lotterie: Die ruhigen Minuten sind gezählt.

Nächster Halt: Die jährliche Lotterie. Eine große Menschenmenge ist vor einer Bühne versammelt. Ich werde von einer Frau genötigt einen Baseball mit einer Losnummer zu ziehen. Ihr habt es erraten, ich ziehe die 77! Jetzt wendet sich das Spiel. Weg vom schönen Antlitz der Stadt und ihren netten und zuvorkommenden Bürgern. Unser Preis ist es mit dem Losungsbaseball auf zwei festgebundene Kinder zu werfen. Ich entscheide mich allerdings dafür, dem rassistischen Lotterieleiter den Ball mitten ins Gesicht zu werfen. Doch ich werde gehindert.

Jetzt nimmt das Spiel an Fahrt auf. Prompt sind Polizisten zur Stelle und wollen mir an die Gurgel. Ich schiebe einen weiteren Polizisten in die todbringende Pistole, sein Kopf matscht, das Blut spritzt. Die Pistole schnappt sich Booker sofort und schaltet weitere Wachmänner aus. Die Wendung ist so dramatisch und perfekt inszeniert. Von der sauberen Stadt zum blutigen Massaker. Kaum vorstellbar, wie schnell diese Wende kam. Das Spiel lässt mir keine Zeit, um diesen dramatischen Bruch nochmals zu verinnerlichen, mehr Polizisten sind schon auf dem Weg…

Fazit

Bioshock Infinite hat mich stellenweise so sehr fasziniert wie es damals Half-Life oder No One Lives Forever taten. Das Spiel lebt von seinen Charakteren, der einzigartigen Wolkenstadt und der wendungsreichen und teilweise sehr skurrilen Geschichte. Allen voran Elizabeth. Sie verzaubert die Spieler mit ihrem Charme. Selten hat mich eine Geschichte so andauernd gut unterhalten. Das Setting ist frisch und wolkig-leicht. Die Stunden im Himmel vergingen sehr schnell und ein besonderes Highlight waren die rasanten Skyline-Fahrten, die das Szenario perfekt in Szene setzten. Die Entwickler widmen sich nicht nur in vollen Zügen der eigentlichen Story, sondern behandeln auch kontroverse Themen wie den Rassismus innerhalb der gesellschaftlichen Schichten und den tiefen Glauben der Bürger. All das wird so gut dargestellt, dass ich die lineare Gestaltung der Level verschmerzen kann.

Das Spiel liefert dank stark modifizierter Unreal Engine 3 eine noch zeitgemäße Optik mit moderatem Hardwarehunger. Die leicht comichaft-angehauchte Grafik mit ihren knalligen Farben und den leicht überzogenen Lichteffekten runden das Spiel ab. Selbst auf betagten Rechner läuft das Spiel ohne große Abstriche flüssig. Mein Zweit-PC (Core 2 Duo @ 3,2GHz, HD 4980) konnte bei einer Auflösung von 1680×1050, hohen Details sowie Kantenglättung durchschnittlich 50 Bilder pro Sekunde darstellen.

Die Shooter-Elemente kommen natürlich nicht zu kurz. Mit 14 Schießeisen und 8 Kräften sowie hilfreicher Unterstützung in Form von Munition, Heilung und Geschütztürmen werden wir von Elizabeth beim Kampf unterstützt. Ich schwärme noch heute aus der Kombination von Revolver und Shock Jockey, dieser schickt Stromstöße zu euren Feinden, lähmt sie und zwackt ihnen Lebensenergie ab.

Ich kann Bioshock Infinite bedenkenlos allen Shooter- und Actionfans sowie auch genrefremden Spielern ans Herz legen. Für mich steht derzeitig fest: Mein erstes Bioshock-Erlebnis und definitiv nicht das letzte!

Positiv

  • traumhaft schöne Stadt in den Wolken
  • grandios inszenierte Geschichte mit vielen(!) Wendungen
  • glaubwürdige und im Gedächtnis bleibende Charaktere
  • epischer Schlusskampf

Negativ

  • Kaum Interaktionen mit der Umgebung
  • Linear
  • Wegfindungstaste
  • Klauen ohne Folgen

Bildergalerie

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Author: vAro

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