Kommentar: Pures Android auf dem Vormarsch?

Google tat es schon immer, einige Hersteller taten es vor langer Zeit, Samsung wird es wieder tun und auch HTC möchte es noch einmal probieren: Smartphones mit purem Android – endlich ist es wieder ein Thema. Google liefert es seit 2010 mit der Nexus-Serie und mit dem »Samsung Galaxy S4« und dem »HTC One« kommen Ende Juni zwei High-End-Geräte dazu!

Android_Robot_200

Bild: Google.com

Nach einer gefühlten Ewigkeit der herstellereigenen Benutzeroberflächen werden nun zwei Hersteller ihre Flaggschiffe mit purem Android ausliefern. Auf der »Google I/O 2013« kündigte Samsung das Galaxy S4 mit der »Nexus user experience« an. Zwei Wochen darauf, am 30. Mai, zog HTC auf der »D11« mit dem HTC One nach.

Wer nun Freudensprünge macht und »TouchWiz«, »Sense« und Co. auf das Abstellgleis schiebt, den muss ich leider enttäuschen. Beide Smartphones werden vorerst nur in den USA und ausschließlich über den »Google Play Store« verkauft. Das Galaxy S4 geht für 649 US-Dollar über die virtuelle Ladentheke, für das HTC One fallen 599 US-Dollar an. Ein Termin für deutschsprachige Räume wurde nicht genannt. Auf den Herstellerseiten von Samsung und HTC werden die »Google-Versionen« nicht hervorgehoben.

Das Problem

Die größte Stärke Androids ist zugleich die größte Schwäche: die Offenheit des Systems. Seit Jahren werkeln Hersteller an eigenen Benutzeroberflächen für ihre Smartphones. Bei Samsung ist es TouchWiz, HTCs Lösung hört auf den Namen Sense. Die Hersteller wollen sich damit optisch und funktionell von der Konkurrenz abheben, bezahlen aber einen teuren Preis dafür: Abgesehen von vielen ruckelnden Erlebnissen, erscheinen neue Android-Versionen – wenn überhaupt – erst einige Monate später für ihre Smartphones. Google erkannte das Problem und verkauft seit über drei Jahren die Nexus-Modelle mit purem Android und schnellen Updates.

Wieso ich noch nicht zum Androiden wurde

Als Technikliebhaber spielte ich schon oft mit den Gedanken ein Android-Gerät zu kaufen, doch immer wieder schreckten mich die herstellereigenen Benutzeroberflächen ab. Meiner Meinung nach dürfen höchstens zwei Hersteller ihre Erfahrung in ein Produkt fließen lassen. Die Nexus-Reihe zeichnet sich dadurch aus. Google liefert die Software und ein Auftragshersteller fertigt die Hardware. Je mehr Hersteller involviert sind, desto mehr Fehler treten auf. Mehr Absprache ist nötig und ein rundes Benutzererlebnis erfordert mehr Zeit – die oft nicht vorhanden ist. Getreu dem Motto: Viele Köche versalzen die Suppe. Dadurch entstand auch die enorme Fragmentierung von Android-Geräten. Dieses Versions-Wirrwarr ist Google sicherlich ein Dorn im Auge, wenn man zu Apple schaut. Das im Jahr 2009 vorgestellte »iPhone 3GS« läuft mit Apples aktuellem Betriebssystem »iOS 6«. Okay, ein paar Abstriche im Funktionsumfang sind der älteren Hardware und den exklusiven, sprich: zum Kauf anregenden Features, den neuen iPhones geschuldet. Dennoch stopfen diese Updates sämtliche Sicherheitslücken! Apple hat zum einen den Vorteil, dass sie sich allein um Hardware und Software kümmern und zum anderen haben sie seit 2007 nur 6 iPhones vorgestellt. Die Variationen sind überschaubar, der Programmieraufwand ist klein.

Die Richtung stimmt

Das aktuelle Android-Betriebssystem in der Version 4.2.2 ist Apples iOS 6 an Frische und Funktionen überlegen, doch kommt gerade so auf einen Marktanteil von 30 Prozent. Durch mehrere Modelle mit purem Android kann Google die Verbreitung des neuesten Betriebssystems ankurbeln und im gleichen Zug die Geräte über einen längeren Zeitraum mit zeitnahen Updates versorgen. Android macht einen kleinen Schritt in die richtige Richtung, ein großes Umdenken wird wohl ausbleiben. Smartphone-Geeks werden diese Nachricht allerdings gefeiert haben. Der normale Nutzer wird von den Versionen kaum etwas mitbekommen und keinen großen Aufwand betreiben, um sich ein solches US-Gerät zu sichern. Außerdem sind diese Geräte zum Start vermutlich nur in einer geringen Stückzahl verfügbar und können nicht durch einen Vertrag verbilligt werden. Ein weiteres Problem bahnt sich an: Auf die speziellen Kamera-Funktionen des HTC One müssen Nutzer vorerst verzichten und auch das Galaxy S4 misst einige Funktionen.

Was bleibt…

Smartphones mit purem Android werden durch die zwei Neulinge kaum den Markt umwälzen, setzen aber ein wichtiges Zeichen: Die Nachfrage nach solchen Geräten ist da, Google erhört unser Wehleiden und macht Träume wahr! Die Verfügbarkeit und die daraus resultierenden Absatzzahlen werden zeigen, ob sich die »Nexus user experience« behaupten kann. Ich kann diese Modelle nur begrüßen und hoffe, dass sie weiterhin Zuwachs bekommen. Sollte mein iPhone 4 den Geist aufgeben, habe ich nun eine größere Auswahl an potentiellen Geräten, die mir ein von Apple bekanntes Benutzererlebnis garantieren.

EmpfehlenShare on Facebook0Tweet about this on Twitter0Share on Google+0Email this to someone

Author: vAro

Share This Post On