Review: Architekt – Total Error

Architekt ist zurück und bringt uns ein einzigartiges Konzept: Drei EPs werden in den nächsten Monaten auf die Hörer losgelassen. Die erste namens »Total Error« macht seit heute den Anfang. Ich hab’s gehört und hier sind meine Gedanken dazu.

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Wie alles begann

Architekt war mir bis Ende 2011 völlig unbekannt – Schande über mein Haupt! Am 20. November 2011 riss er zusammen mit Laas Unltd. auf der »Rap Your City Tour« Hannover ab. Ich war schwer von den bassbetonten Beats, dem lockeren Auftreten und der meisterlichen Liveperformance beeindruckt. Direkt nach dem Konzert – nun ja, ich sollte ehrlich sein, am nächsten Tag mit Kopfschmerzen – schmiss ich das Notebook an und suchte nach mehr Musik von Architekt.

Tracks wie »Asozial« und »Wie ich bin« musste ich nur einmal hören, um sie direkt in meiner All-Time-Playlist aufzunehmen. Diese Stücke haben etwas magisches an sich: Schon die ersten Sekunden verrieten mir deren großes Potenzial und selbst nach über 500 Wiedergaben sorgen sie immer noch für heftige Kopfnicker und lautes Mitrappen.

Zu meinem Entsetzen wurde es seit der »Architektour EP« im Mai 2011 stiller um Architekt, doch dieser Fluch ist mit dem heutigen Tag aufgehoben!

Alle Wege führen zum »Complete Error«

Architekt ist mit einem neuen und bislang einzigartigen Konzept zurück. Anstatt direkt ein neues Album zu veröffentlichen, entsteht eine EP-Trilogie, die nach der kompletten Veröffentlichung in einem Videoalbum mit dem Namen »Complete Error« mündet.

Die Vorteile eines solchen Konzepts liegen auf der Hand. Jede EP bekommt ihren eigenen Sound und behandelt jeweils ein unterschiedliches Thema; einzelne Tracks bekommen auf diese Weise viel mehr Aufmerksamkeit, als auf einer LP mit 20 Tracks. Das Konzept geht sogar noch einen Schritt weiter: Zu jedem Track wird im monatlichen Rhythmus ein Video veröffentlicht.

Die EPs »Total Error«, »New Error« und »Golden Error« erscheinen im Drei-Monats-Takt und bieten jeweils drei Tracks. Bereitet euch also auf neun Monate mit Architekt vor! »Total Error« macht den Anfang am 10. Mai und soll uns krasse HipHop-Bretter mit nachdenklichem und persönlichen Inhalt liefern – alles auf kalten Elektrobeats. Drei Monate danach erscheint die synthilastige, fruchtig-, frech- und frischklingende »New Error«-EP, die den Sommer einläuten soll. Die EP biete uns einen kritischen Track, ein Stück über seine Tochter und eine weitere Überraschung. Das Ende der Trilogie läutet »Golden Error« ein. In Anlehnung an die goldene Ära des HipHops können wir uns auf samplelastige 90er-Jahre Beats und einen klassischen Architekt am Mikrofon freuen.

»Complete Error« wird neben den bereits bekannten neun Tracks der EPs, Bonusmaterial und ein paar Überraschungen enthalten. Architekt hält sich zu diesem Thema noch recht bedeckt, Zeit hat er auch noch mehr als genug. Auf ein oder zwei Features können wir uns wahrscheinlich freuen, denn auf den EPs ist nur Platz für puren Architekt-Sound.

»Total Error«: Teil 1 der Trilogie erscheint

Als die Neuigkeiten rund um das neue Konzept ans Tageslicht gelangten, stand ich dem zwie­ge­spal­ten gegenüber. Zum einen machte ich Freudensprünge, denn Architekt war zurück. Zum anderen konnte ich mich nicht mit dem Thema und den kalten Elektrobeats der ersten EP anfreunden. Doch am 28. April war jeder Zweifel weggerappt: Die ersten Hörproben wurden auf Amazon veröffentlicht, ich atmete auf und Architekt riss mich direkt in seinen Bann.

Am 2. Mai erschien mit »Verloren« das erste Video zum ersten Track der ersten EP – seid ihr noch da? Gut! Im Bett liegend und an einem Tropf angeschlossen rappt Architekt im Krankenhaus-Leibchen bis die Wand im Hintergrund immer mehr Risse bekommt und er durch zwei Pfleger ruhig gestellt wird. Der Track kennt keinen Ausweg, alles ist hoffnungslos. Doch egal wie trist und grau der Inhalt sein mag, die unglaubliche Hook poliert diesen Track auf Hochglanz. Der derbe Beat rumst mit viel Bass aus den Boxen und wieder einmal gelingt es Architekt mit einem weiteren Track in meine All-Time-Playlist einzuziehen – Unverschämtheit! ;)

Heute erschien die EP und die Hörer bekamen neben »Verloren«, zwei weitere Tracks um die Ohren gehauen. “Andere haben Haus und Boot, ich habe Hausverbot”, diese Zeile könnte »Partyalarm«, den zweiten Track der EP, gut beschreiben. Verrückte Parts, absurde Gedanken und eine Menge des architektischen Charmes erwarten den Hörer. Ein weiteres Brett und dank des Beats zu einer Vielfalt von Anlässen abspielbar!

»Vergessene Welt« ist der persönlichste und nachdenklichste Track der EP. Architekt reflektiert ein paar schwere Stationen seines Lebens und lässt den Hörer selbst auf die Suche nach früheren Gedanken gehen, die einen anspornen oder traurig stimmen – herrlich verträumt.

Fazit

Der Start der EP-Trilogie könnte nicht besser sein: »Total Error« reißt mich mit, lässt meinen Nacken schmerzen und kostet meinen Nachbarn Nerven. Alle bisherigen Architekt-Fans können bedenkenlos zugreifen und auch Neulinge sollten einen Blick wagen. Die drei Tracks sind auf sehr hohem Niveau, hier ist alles stimmig, nichts wirkt aufgesetzt.

Ein Wermutstropfen bleibt: Neun Minuten Architekt auf höchstem Niveau sind viel zu wenig um gesättigt zu werden! Daher empfehle ich eine Dauerschleife bis zum Erscheinen von »New Error«. Außerdem können wir uns auf die Videos zu »Partyalarm« und »Vergessene Welt« freuen.

»Total Error« gibt es nur als Download für knapp 3€ auf iTunes oder Amazon.

Folgt Architekt bei Facebook und/oder Twitter für neue Informationen oder besucht ganz klassisch seine Homepage.

Tracklist

  1. Verloren
  2. Partyalarm
  3. Vergessene Welt
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Author: vAro

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